Für eine Kultur des Teilens

Gepostet von am Sep 20, 2021 in Allgemein | Kommentare deaktiviert für Für eine Kultur des Teilens

Für eine Kultur des Teilens

Seit gut einem Jahr bin ich Besitzerin einer halben Eigentumswohnung mit schönen alten Möbeln. Aber außer der Wohnung und den schönen alten Möbeln habe ich noch viele weitere Dinge geerbt. Diese versuche ich seit über einem Jahr auf die eine oder andere Art loszuwerden – durch weitergeben, verkaufen, entsorgen etc.

Yogisches Gesetz der Besitzlosigkeit

Manchmal fühlen sich diese Dinge sehr schwer an und wie eine große Belastung. Und ich erinnere mich dann an die Zeit, in der ich mit meinem Rucksack die Welt bereiste und nicht mehr dabei hatte, als das was ich tragen konnte. Auch wenn ich einige Monate an einem Ort blieb, war mein Besitz sehr überschaubar: Der Rucksackinhalt und ein paar Kisten bei meiner Mutter im Keller. Ich versuchte nach dem yogischen Gesetz (Yama) der Besitzlosigkeit bzw. Nichtanhaftung (Aparigraha) zu leben und nur das zu besitzen, was ich wirklich brauchte. Das heißt auch, dass die Dinge, die ich um mich scharte, dann bereichernd waren und nicht belastend.

Mangelempfinden


Ich habe den Eindruck, dass unsere westliche Gesellschaft, vor allem die älteren Generationen, sehr viel besitzen. Manches davon ist belastend und manches nützlich. Ich habe viel darüber nach gedacht, wie das kommt. Ich denke, dass auch die Kriegserlebnisse und den dadurch erlebten Mangel während dem Krieg und der Nachkriegszeit uns alle beeinflussen bzw. noch in den Genen sitzen. Auch wenn wir das nicht  direkt erlebt haben, sondern unsere Vorfahren. So heben wir Dinge auf, die wir eventuell nochmal brauchten könnten und häufen sie in Kellern oder Abstellkammern.

Für eine Kultur des Teilens


Auf der anderen Seite fällt es manchen sehr schwer zu teilen, auch wenn sie mehr als genug besitzen. Dabei wäre es doch so einfach, Waschmaschinen, Autos, Rasenmäher miteinander zu teilen und auf diese Art und Weise die Umwelt weniger zu belasten (und auch unseren Geldbeutel).

Ich bin sehr dankbar, dass ich während meines Studiums und auch während dem Reisen eine Kultur des Teilens erfahren durfte. Wir haben munter, Autos, Waschmaschinen und weitere Dinge geteilt. Manchmal habe ich den Eindruck, je mehr man besitzt, umso mehr wird es gehortet und ist ‚meins‘ – das Teilen fällt schwerer.

Ich denke, durch die Klimadebatte und ein Umdenken vor allem in der jüngeren Generation, kommt so einiges in Bewegung. Bewegungen wie ‚Zero waste‘  (keinen Abfall produzieren) oder Minimalismus (so wenig wie möglich besitzen) verbreiten sich. Interessanterweise haben uns ähnliches schon unsere Vorfahren vorgelebt, bevor der Konsum losging. So bin ich noch damit aufgewachsen, gebrauchte Plastiktüten abzuwaschen und wiederzuwenden.

Bei all diesen Dingen leitet mich die Frage: Was macht mich zufrieden? Ja, zum Beispiel mein kleiner Gemüsegarten auf meiner Dachterrasse – dort wachsen gerade meine ersten Auberginen (siehe Foto).